Cover: Unendlicher Spaß

Unendlicher Spaß

David Foster Wallace

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Klischees hätten ihren Rang als Klischees verdient, weil sie so offenkundig wahr seien.
Man werfe nun einen Blick auf den enthüllenden Graphen mit der Aufschrift HALISNPIMMEL: Der Scheiß funktioniert.
Du hast die gesamte Substanz dessen überhört, was ich gerade gesagt habe. Da bist du wie ein alter Mann. Und hast das schräge selektive Gehör eines alten Mannes.
Du fehlst mir, und ich hab Dich lieb, und sw.
Er schien immer unmittelbar vor einer Erkrankung zu stehen.
Als Gately den Fuß absetzte, war da nichts da. Der Boden wich dem Fuß aus und schnellte zu ihm hoch. Er erhaschte noch einen Blick auf die gewölbte Decke, dann erwischte der Boden ihn an der Schläfe. Ihm klingelten die Ohren. Der Zusammenprall von Boden und Gately erschütterte das ganze Zimmer.
Der Dr. med. und die Schwester tauschen Begriffe in medizinischem Schauderwelsch.
Kite hatte als Computerfreak an der Salem State gearbeitet
Und Schmerz aller Art wird zur Theorie, zu einer Zeitungsmeldung aus fernen kalten Klimazonen, weit unter der warmen Luft, auf der man summt, man fühlt hauptsächlich Dankbarkeit für die abstrakte Distanz zu allem, das nicht in konzentrischen Kreisen ruht, und liebt, was geschieht.
Es hat etwas grundlegend Entsetzliches, vor der Morgendämmerung aufzuwachen.
Praktisch alle Insassen respektieren und mögen ihn, was laut der Hausmeisterin für Unmut beim alteingesessenen Personal sorgt, schließlich sei es nicht Gatelys Aufgabe, all diesen Menschen ein Freund zu sein.
Sie haben in den sexten Gang geschaltet.
Ich bin so schön, dass ich entstellt bin.
Erdedy sah eine zuschauende Afroamerikanerin in die Hände klatschen und hörte sie rufen: »Steh zu deinen Gefühlen!« »Und jetzt kommst du an und disst mich vor meinen ganzen cleanen und nüchternen Leuten, wenn ich gerade voll das Risiko eingehe und mit dir meine Verletzlichkeit und mein Unbehagen teilen möchte?«
An der Tür entstand kurz Verwirrung, als jeder dem anderen den Vortritt lassen wollte.
Ich fragte, ob ich fragen dürfe, was los sei.
GENTLE\[ SEHR GEDÄMPFT DURCH SOWOHL FUKOAMA-MIKROFILTRATIONSMASKE ALS AUCH OXIGENIERTE LUCITE-WOHNBLASE]: Jungs. ALLE MIN. BIS AUF MEX. MIN. UND KAN. MIN. \[DIE MOTOWN-MÄDCHEN-MARIONETTEN DES KABINETTS, HERAUSGEPUTZT ZU KULMINATIVEM CAMP, TRAGEN ALLE VERRUCHTE DREITEILER, STRAFF ZURÜCKGEGELTES HAAR UND RIESIGE RÄUBERBARONESKE ZWIRBELBÄRTE, DIE NICHT GANZ SO KLOBÜRSTIG SEIN MÜSSTEN, FÜR WEIBLICHE MARIONETTEN ABER GANZ SCHÖN BEEINDRUCKEND SIND]: Chef.
UKRAINE UND ZWEI BALTISCHE STAATEN BEWERBEN SICH UM NATO-MITGLIEDSCHAFT–Schlagzeile, 16-Punkt, fettgedruckt; WARUM DANN EINE NATO?–Leitartikelüberschrift; E.W.G. HÄLT ZUM PAZIFISCHEN RAUM UND REAGIERT AUF US-AMERIKANISCHE EINFUHRQUOTEN MIT SCHUTZZÖLLEN–Schlagzeile;
Selbst wenn die Leute den Leberfleck nicht anstarren, ist es, als würden sie ihn bewusst nicht anstarren.
Seine Handgelenke sind so dünn, dass er die Uhr oben am Unterarm tragen muss, was etwas Gladiatorenhaftes hat.
Man wird ermuntert, solches Zeug zu sagen, bis man anfängt, es zu glauben, z.B. wenn man jemanden mit ernsthafter Nüchternheit auf dem Buckel fragt, wie lange man sich denn bloß zu all diesen Scheißtreffen schleppen müsse, woraufhin der unweigerlich mit einem Lächeln, das einen zur Weißglut bringen kann, sagen wird, so lange, bis man zu all diesen Scheißtreffen gehen wolle.
Gately sieht auf seine billige Digitaluhr und lässt den Kopf immer noch über die Armlehne hängen. »Meine zeigt 8.32: 14,15,16, Randy.«
[...] er hat komplex gegelte Haare und die kleinen vogelartigen Kopfbewegungen aller überaus eitlen Menschen.
Mr Incredenza, hier ist die Enfielder Klärgrubenverwaltung, und um’s kurz zu machen: Wir lassen uns von Ihnen nicht länger verscheißern.
›Kaum ein Ausländer weiß, dass das deutsche Wort Berliner auch der umgangssprachliche Begriff für einen gewöhnlichen Krapfen mit Marmelade ist, und dass Kennedys denkwürdiges Ich bin ein Berliner bei der teutonischen Menge auf ein nur scheinbar politisches Entzücken stieß‹, [...]
Ladenschildern mit niedlicher, kolonialzeitlicher Beschriftung, und die Leute werfen ihr Blicke zu, wie man sie Blinden zuwirft, nackte Blicke, weil sie nicht wissen, dass sie immer alles sehen kann.
[...] der unter der neurotischen Überzeugung leidet, es gebe zu einem gegebenen Zeitpunkt immer nur eine begrenzte Anzahl von Erektionen auf der Welt, daher könne sein Anschwellen beispielsweise zum Abschwellen eines vielleicht viel verdienstvolleren oder gequälteren Sorghumbauern in der Dritten Welt führen, und der daher immer, wenn er anschwillt, an Schuldgefühlen leidet, die ein weniger exzentrisch gequälter Promovend in diesem Ausmaß nur empfindet, wenn er sich vorstellt, etwa einen Babyrobbenpelz zu tragen.
Auf manchen Partys ist man, ohne richtig da zu sein. Bei manchen Partys hört man förmlich, wie ihr implizites Ende der Choreographie der Party selbst eingelagert ist. Zu den traurigsten Augenblicken, die Joelle van Dyne je irgendwo empfunden hat, gehört jener unsichtbare Angelpunkt, an dem eine Party endet–sei es auch eine schlechte Party–, jener Augenblick unausgesprochener Einigkeit, in dem jeder Feuerzeug und Partner, Jacke oder Mantel einsammelt, das letzte Bier in den fünf Ringen auf dem Plastikfilz stehenlässt, der Gastgeberin gewisse Phrasen sagt, aber so, dass sie nicht verlogen klingen, und geht, wobei er meist die Tür hinter sich zuzieht. Wenn die Stimmen im Korridor verhallen. Wenn sich die Gastgeberin von der geschlossenen Wohnungstür ins Zimmer zurückwendet, das Chaos sieht und das aufblühende weiße V der Totenstille im Kielwasser der Fete hört.
[...] nimmt die ganze Konterbande aus dem Futter der Segelmütze und breitet sie auf dem Bett aus, wie ältere Menschen in ruhigen Augenblicken all ihre Wertsachen aufreihen.
Dass Sie einen Menschen nicht mögen müssen, um von ihm/ ihr/ ihm etwas zu lernen. Dass es für Leute mit niedrigem IQ statistisch leichter ist, von einer Sucht loszukommen, als für Leute mit hohem IQ. Dass die Sorge, was die anderen wohl von einem denken, verfliegt, wenn man merkt, wie selten sie an einen denken. Dass es so etwas wie reine, ungetrübte, uneigennützige Freundlichkeit gibt. Dass sich das Denken von Zwangsneurotikern zu neunundneunzig Prozent um sie selbst dreht; dass dieses selbstbezogene Denken zu neunundneunzig Prozent daraus besteht, sich Dinge vorzustellen, die einem zustoßen könnten, und sich dann gegen diese zu wappnen; und dass, wenn sie auch darüber mal nachdenken, merkwürdigerweise hundert Prozent der Dinge, die vorzustellen und deren Kontingenzen und Konsequenzen zu gewärtigen sie neunundneunzig Prozent ihrer Zeit und Energie aufwenden, nicht gut sind. Dass die Menschen, vor denen man am meisten Angst haben muss, die Menschen sind, die am meisten Angst haben. Dass es sehr viel Seelenstärke braucht, um Schwäche zu zeigen. Dass kein einziger, individueller Augenblick an und für sich unerträglich ist. Dass andere Menschen in Ihnen oft etwas sehen können, was Sie selbst nicht sehen können, selbst wenn diese dumm sind. Dass es perverserweise oft mehr Spaß macht, etwas zu wollen, als es zu haben.
Jeder Mensch sollte einmal im Leben einem Mann in die Augen gesehen haben, der feststellt, dass er zu etwas emporsteigt, das er zu sich herunterziehen wollte.
Was von Mario als plötzlicher Temperatursturz wahrgenommen wurde, beruhte de facto auf U.S.S. Millicent Kents sexueller Erregung, die enorme Mengen Außenenergie aus der sie umgebenden Luft absaugte.
Laub raschelte unter seinen Füßen. Ein durch trockenes Laub gehender Mario klang so: raschel raschel raschel halt; raschel raschel raschel halt.
Dann hüllt sich Schtitt in das Schweigen eines Menschen, der sich noch einmal genüsslich durch den Kopf gehen lässt, was er da grade Schönes gesagt hat.
Sichtbare Behinderung hat positiv zur Folge, dass die Leute manchmal vergessen können, dass man da ist, selbst wenn man ihnen gegenübersitzt. Man kann sie fast belauschen.
Überall. Kopf, Hals, Hintern. Im Bauch. Es ist einfach überall. Ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll. Es ist, als könnte ich nicht weit genug raus, um ein Wort dafür zu finden. Es ist eher Grauen als Traurigkeit. Ja, eher wie Grauen. Es ist, als passiert gleich was Schreckliches, das Schrecklichste, was man sich vorstellen kann–nein, schlimmer als alles, was man sich vorstellen kann, weil da dieses Gefühl ist, dass man sofort was machen muss, um es zu stoppen, aber man weiß nicht, was man machen muss, und dann passiert es auch, die ganze schreckliche Zeit, es passiert gleich und es passiert jetzt, alles zur selben Zeit.« »Sie würden also sagen, dass Angst einen Großteil Ihrer Depressionen ausmacht.« Jetzt war nicht mehr eindeutig zu sagen, ob sie auf die Bemerkung des Arztes einging oder nicht. »Alles wird schrecklich. Alles, was man sieht, wird hässlich. Genauer gesagt beklemmend. Doktor Garton hat das mal gesagt, beklemmend. Das ist das richtige Wort. Und alles klingt scharf, ja, stachelig und scharf, als hätte alles, was man hört, plötzlich Zähne. Und alles stinkt, wie ich, auch wenn ich grad aus der Dusche komme. Ich meine, warum soll ich mich überhaupt waschen, wenn sowieso alles stinkt, als müsste ich schon wieder duschen.
Ich wollte mir nicht wehtun. Ich wollte mich umbringen. Das ist doch wohl ein Unterschied.
Orin liest den Zettel, während er den Toast isst, der eigentlich nur ein Vorwand für den Honig ist.
Väter wirken auf Söhne auch insofern ein, als Letztere sich ab dem Stimmwechsel in der Pubertät am Telefon unweigerlich mit denselben Wendungen und im selben Tonfall melden wie ihre Väter. Das trifft zu, egal ob die Väter noch leben.
Du trägst schließlich eine Krawatte. Ist das nicht durchaus eine Aufforderung zu einem junger Mann?
Ich werde dich fast anflehen müssen, eine Zitronenlimonade zu trinken. Dein Mund produziert so trockene klebrige Speichelmangelgeräusche.
Manchmal steige ich ins Taxi und sage ›Zur Bibliothek, und drücken Sie auf die Tube‹.