Diese Woche habe ich meine Konten bei Facebook und Instagram gelöscht.
Bei Instagram fiel es mir nicht schwer. Schon in der Vergangenheit habe ich regelmäßig mein Konto erstellt und später wieder gelöscht. Richtigen Influencern bin ich nie gefolgt, aber der Content von meinen Lieblings-Beatboxern wird mir etwas abgehen.
Bei Facebook war das etwas anders.
Mein Facebook-Profil ist ca. 13 Jahre alt und hält viele Erinnerungen. Es dokumentiert Interaktionen mit Menschen, die ich heutzutage auf der Straße manchmal teilweise nicht mehr erkennen würde. Mit Namen, die mir ohne Facebook wahrscheinlich nie wieder in den Sinn gekommen wären. Und es erinnert mich auch an Freundschaften, die längst vergangen sind.
Hinzukommt, dass ich über mein Facebook-Konto zwei Seiten verwalte: Cosmo Digital und Tonni. Auch wenn die Facebook in vielerlei Hinsicht ziemlich ausgestorben ist; die Posts meiner Unternehmensseiten in den lokalen Gruppen zu teilen hat mir in der Zukunft viel Reichweite gebracht, vorallem bei Nutzer:innen ab 40 Jahren aufwärts. Wie ich das gelöst habe, erzähle ich weiter unten. Schon mal vorweg: Es gab zum Glück keine Ausreden mehr.
Warum löschen? #
Ich habe mich selbst immer wieder erwischt, wie ich in einer freien Sekunde einfach hirnlos die Facebook oder Instagram App öffnete, und einfach...so reinschaute. Hätte man mich zwei Minuten später gefragt, was ich da eigentlich gesehen habe, hätte ich es üblicherweise gar nicht mehr gewusst. Zu groß ist der Sog der "Reels" im Feed und vorallem auch derer, die von Freunden und Familie en masse gesendet werden.
Weiters habe ich mich zu viel geärgert. Über die Masse an KI-Bildern, die Selbstdarsteller, die Ignoranz mancher Menschen und vorallem über Verschwörungstheoretiker in allen Farben.
Es war mir persönlich einfach schon zu viel. Und besser gefühlt hat man sich danach sowieso nie.
Die Lücken, die Social Media füllt, werden immer größer #
In der Vergangenheit habe ich mich immer wieder mit dem Thema Dopamine fasting (oder "Dopamin Detox") beschäftigt. Die Grundidee ist ungefähr folgende: Unser Gehirn wird nach dem Dopamin, das z.B. beim Doomscrolling in Mikrodosen freigesetzt wird, süchtig wird und will immer mehr. Aktivitäten, bei denen wir für das Dopamin härter arbeiten müssen, wie zum Beispiel das Lesen von Büchern, auch geduldiges Spielen mit den eigenen Kindern, werden uninteressanter. Das ist einer der Gründe, warum Social Media so süchtig macht.
Man kann natürlich sehr streng "dopaminfasten". Von mir selbst weiß ich, dass ich es dann nicht durchziehe. Da habe ich lieber kleine Veränderungen, die sich dann aber auch manifestieren und so nachhaltig Veränderung bringen.
So gelingt die Löschung #
Wie bereits erwähnt wollte ich die Erinnerungen meines Facebook-Kontos gerne behalten. Facebook bietet während der Löschung eine hilfreiche Option an: man kann sich eine Kopie aller Beiträge, Fotos, usw. herunterladen. Gesagt, getan - sie melden sich, sobald mein Download bereit ist. Ich hab das Konto trotzdem gelöscht. Sollte ich innerhalb der nächsten Wochen keine Meldung bekommen, dass der Download bereit ist, logge ich mich nochmals ein und warte dann, bis meine Daten zur Verfügung stehen. (Das Konto wird erst gelöscht, wenn man sich 30 Tage nicht einloggt)
Ein drittes Problem blieb bisher unerwähnt: Bei etlichen Plattformen habe ich die Funktion "Log In With Facebook" verwendet. Facebook warnt bei der Löschung auch hier und zeigt eine Liste der Registrierungen an. Das war eine gute Möglichkeit, ungenutzte Konten bei den jeweiligen Unternehmen zu löschen. Bei den wenigen, die ich weiterhin nutzen wollte, konnte ich recht leicht Email und Passwort hinterlegen.
Schlusswort #
Diese Plattformen haben in mir immer öfter Dinge in mir ausgelöst haben, die ich eigentlich nicht will: Ablenkung, Reizüberflutung, Frust. Fürs Erste fühlt es sich gut an, nicht mehr Teil dieser endlosen Timeline zu sein.